Episode 3: ISO

Titelbild zur dritten Episode

In Episode 3 behandeln wir den sogenannten ISO-Wert. Viele haben davon schon gehört und die drei ominösen Buchstaben „I S O“ auf ihrem Display oder dem Kameragehäuse gesichtet. Doch was bewirken sie? Kann ich sie ignorieren? Soll der ISO-Wert lieber hoch oder lieber niedrig sein? All diese Fragen werden wir in der heutigen Episode klären.

Was ist eigentlich ISO?

Der ISO-Wert steht für den Grad der Empfindlichkeit des Bildsensors in eurer Kamera. Heißt also, wie stark oder schwach der Sensor eurer Kamera auf das einfallende Licht reagiert. Je höher die ISO-Zahl ist, desto „mehr“ Licht kommt theoretisch in die Kamera. Rein praktisch ändert sich die Menge des einfallenden Lichts natürlich nur, wenn die Wolken sich am Himmel lichten oder ihr eine zusätzliche Lichtquelle anschließt.

ISO steht für die Internationalen Organisation für Normung (ISO), welche ab 1974 die verschiedenen Varianten der Werte für Lichtempfindlichkeit in eine einheitliche Form brachte. Lichtempfindlichkeit hat eine lange Tradition und stammt aus den Zeiten der analogen Filme, wo man sich bereits vor dem Fotografieren für einen entsprechenden ISO-Film entscheiden musste. Der üblichste war wohl der 400er, was einem ISO-Wert von 400 in eurer Kamera entspricht. In der aktuellen Zeit lässt sich dieser Wert bei den Flaggschiffen von Canon und Nikon bis zu 204.800 hochschrauben (Canon 1D X, Nikon D4). Es lässt sich an der Stelle natürlich darüber diskutieren, wie sinnvoll das noch ist.

Kurzes Fazit:

Je mehr Licht theoretisch auf den Sensor eurer DSLR gelangt, umso kürzer können die verwendeten Belichtungszeiten sein, um ein verwacklungsfreies Foto zu schießen. Wenn ihr also in eine Situation mit wenig Licht geratet und nicht blitzen wollt oder könnt, so kann es sich empfehlen den ISO-Wert eurer Kamera entsprechend nach oben zu korrigieren.

Immer den höchsten ISO-Wert?

Als erstes: Bitte nicht!

Man könnte zu dem voreiligen Schluss kommen, dass man ab jetzt immer mit dem größtmöglichen ISO-Wert der eigenen Kamera fotografiert. Bitte lasst euch davon nicht täuschen. Denn ihr könnt euch sicherlich denken, dass es so einfach nicht seien kann. Und damit habt ihr vollkommen recht.

Es passiert nun folgendes:

Die Menge an Licht die auf den Sensor trifft bleibt unverändert und trotzdem wird das Bild heller, wenn man den ISO-Wert nach oben schraubt und alle anderen Werte wie Belichtungszeit und Blende unverändert lässt.

Beide Beispielbilder wurden mit Blende 1.4 bei 50mm und 1/100 sek. fotografiert.

Als erstes der 1:1 Ausschnitt mit ISO 10000:

Kameraausschnitt mit ISO 10000

 

Als zweites der selbe Ausschnitt mit ISO 25600:

Kameraausschnitt mit ISO 25600

 

Auf dem zweiten Bild sieht man nun sehr genau, weshalb man sich auf das „Versprechen“ der immer verwacklungsfreien Bilder nicht verlassen sollte. Das verfügbare Licht, welches ja normaler Weise nicht einfach mehr wird, muss nun von eurer DSLR hochgerechnet werden. Dadurch entsteht das sogenannte ISO-Rauschen. Dieses sieht man auf dem zweiten Bild besonders stark. Beide Fotos wurden mit einer Canon EOS 1D Mark IV gemacht.

Größerer Sensor – weniger Rauschen

Je nach Kameratyp (Einsteiger, Fortgeschrittene, Profi) erhält man ein unterschiedlich hohes oder eben auch niedriges Rauschen. Bei den meisten Einsteiger-DSLRs kann das Rauschverhalten, welches wir hier auf dem zweiten Bild bei ISO 25600 sehen bereits bei ISO 800 auftreten. Bei Kompaktkameras tritt dieses Rauschen in der Regel schon im normalen Zustand auf. Je weiter man in der Kamerahierarchie nach oben steigt und je neuer auch das Modell ist, desto geringer ist das Rauschen, wenn man immer den selben ISO-Wert vergleicht.

Die neueren Modelle besitzen weiterentwickelte Kamerachips mit besseren Algorithmen, welche das ISO-Rauschen immer sauberer raus-rechnen können. Des Weiteren ist es noch vom verbauten Kamerasensor abhängig. Je größer der Sensor, desto geringer ist das Rauschen. Oder andersrum gesagt, je kleiner der Sensor, desto größer das ISO-Rauschen. Eine Vollformat-Kamera wie die Canon 1D X rauscht um einiges weniger als die semi-professionelle APS-C Kamera Canon 7D.

Der Grund dafür ist etwas komplizierter. Mehr Megapixel bedeutet bei gleichbleibender Sensorgröße mehr ISO-Rauschen. Das heißt also vereinfacht gesagt, dass sich mehr „Pixel“ den gleichen Platz teilen müssen. Dadurch bekommt jedes Pixel weniger Licht ab, weshalb die Kamera von vornherein mehr Licht „reinrechnen“ muss.

Kennt die ISO-Grenzen eurer Kamera

Da also jede DSLR ein anderes ISO-Rauschen aufweist, solltet ihr die Grenzen der eigenen Kamera ausloten. Je kleiner die Bilder final benutzt werden sollen, umso höher könnt ihr den ISO-Wert schrauben. Bei der Verkleinerung der Fotos „verschwindet“ einiges an Rauschen. Je größer die Bilder also publiziert oder ausgedruckt werden sollen, umso geringer sollte der ISO-Wert sein.

Kameraintern gibt es zwei ISO-Grenzen. Die erste Grenze definiert den ISO-Wert, den man auch ohne Nachbearbeitung am Computer direkt nutzen kann. Die zweite Grenze definiert logischer Weise den ISO-Wert, welcher mit Nachbearbeitung am Computer nutzbar ist. Für die Nachbearbeitung gibt es unzählige Programme, welche mittlerweile eine Rauschreduzierung im Standardrepertoir haben.

Nach einer Rauschreduzierung sehen die oberen beiden Bilder wie folgt aus:

1:1 Ausschnitt bei ISO 10000 auf der linken Seite ohne und auf der rechten Seite mit Rauschreduzierung:

Vergleich ISO 10000 mit und ohne Rauschreduzierung

Das zweite Bild mit ISO 25600 auf der  linken Seite ohne und auf der rechten Seite mit Rauschreduzierung:

Vergleich ISO 25600 mit und ohne Rauschreduzierung

Das Ergebnis hält sich bei ISO 25600 in Grenzen. Im Vergleich fällt auf, dass mit einer Rauschreduzierung auch die Details verloren gehen. Je stärker die Rauschreduzierung ist, desto mehr Details gehen im Bild verloren. Besonders feine Strukturen fallen der Rauschreduzierung sehr schnell zum Opfer.

Deshalb sollte man auch mit der Möglichkeit der Nachbearbeitung auf die Grenzen seiner Kamera hören, welche man vorher ausgelotet hat.

Fazit:

  • höhere ISO-Werte bedeuten mehr Rauschen in den Bildern
    • geringere ISO-Werte bedeuten demnach bessere Bildqualität
  • lernt die ISO-Grenzen eurer Kamera kennen
  • Rauschreduzierung am Computer erhöht die nutzbaren ISO-Grenzen der DSLR
  • je größer der Kamerasensor, desto geringer das ISO-Rauschen

Episode 3 haben wir damit abgeschlossen. In der nächsten Episode beschäftigen wir uns mit Tiefenschärfe.

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Der Fototeufel

 
Kommentare
 
Kommentare

Bin ich der Erste ?

egal, informativ, anschaulich und verständlich `rübergebracht.

Gruß Jörg

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