Episode 1: Welche Kamera soll es sein?

Meet the Family

Kaufhilfe für Einsteiger

Diese Frage stellen sich wohl die meisten, die mit dem Gedanken spielen sich eine eigene Kamera zu kaufen und dann das erste Mal vor den prall gefüllten Regalen der Kaufhäuser stehen. In der Kategorie Technik und Tutorials stelle ich euch nun Schritt für Schritt den Weg zum perfekten Foto vor.

Im heutigen Artikel geht es um die Auswahl der richtigen Kamera. Viele Freunde und Bekannte haben mich bereits nach Empfehlungen gefragt und somit kam ich zu dem Gedanken eine eigene Serie ins Leben zu rufen, die sich explizit diesem Thema widmet.

Geht man in einen hiesigen Elektromarkt wie Saturn oder MediaMarkt, so wird man in der Regel mit den Worten: „Wie viel darf es denn kosten?“ begrüßt – wenn man denn beachtet wird. Diese Herangehensweise ist aus meiner Sicht eher kontraproduktiv. Sie betrachtet den gesamten Entscheidungsprozess lediglich aus einer Richtung, womit sich keine objektive Wahl treffen lässt.

Nun werden einige von euch sagen: „Aber der Preis ist doch wichtig!“. Und damit habt ihr auch nicht ganz unrecht. Am Beispiel meiner damaligen Entscheidungsfindung zeige ich euch, was passieren kann, wenn man direkt über das Preisargument einsteigt

Mein Weg zur ersten Kamera

Zu Beginn meiner Ausbildung im Jahre 2008 sah es im Portmonee endlich ein wenig rosiger aus. Mit etwas mehr Kleingeld in den Hosentaschen, als zu Studentenzeiten, wurde durch verschiedene Faktoren mein Interesse für die Fotografie geweckt. Ich nehme an, dass es nun auch einigen von euch so geht.

Mein erster Grundgedanke war: Ich will Fotos machen! Dies dürfte auch auf über 90% der anderen Fotografie-Interessierten zutreffen. In der Regel weiß man nicht, was man exakt fotografieren will. Es fängt mit Sonnenuntergängen und Haustieren an und endet im besten Fall mit einem Cover-Foto bei National Geographic. Ihr seht, die Bandbreite ist riesig und der Weg ist lang.

Man sollte meinen, dass der zweite Gedanke jener ist: Was will ich fotografieren? Doch, wie bereits oben beschrieben, ist er das nur bei den wenigsten. In der Regel möchte man einfach alles und zu jeder Zeit in Bildern festhalten. Daraus ergibt sich die Schwierigkeit der Kamerawahl. In der heutigen Zeit erst recht, aber auch schon vor 5 Jahren, können und konnten Handys doch recht annehmbare Bilder aufnehmen. Aber irgendwann hat man diese Bilder einfach satt. Somit kommt man zum wahren zweiten Grundgedanken: Ich will bessere Fotos machen! 

Bessere Fotos in Sachen Schärfe, Eignung für Drucke (Leinwand, Poster, etc.) und prinzipieller Eindruck. An dieser Stelle kommen dann nur noch hochklassige Kompaktkameras oder Spiegelreflexkameras in Frage. Auf die neue Klasse der Systemkameras wie der Canon EOS M möchte ich an dieser Stelle gezielt nicht eingehen, da mir hier die Erfahrungswerte fehlen und ich euch somit kein fundiertes Fazit liefern kann.

Nach ausführlicher Recherche traf ich damals auf eine Kompaktkamera von Fuji, welcher ausgezeichnete Bildqualität bescheinigt wurde. Leider wurde dieses Modell nicht mehr hergestellt. Das Nachfolgermodell war, laut Berichten, um Längen schlechter. Somit konnte man dieses Gerät nur noch als Restposten erstehen. Preislich lag man bei ca. 300€ – für eine Kompakte recht heftig. Natürlich kann man auch zur 60€ -Rollei-Kompaktkamera vom Wühltisch greifen, aber selbst das einfachste Smartphone macht aktuell bessere Bilder. Somit wagte ich einen Blick über den Tellerrand zu den, aus meinen damaligen Augen, Profikameras. Aus heutiger Sicht war dies nur der Einstieg vom Einstieg.

Als nächster Verwandter zur Fuji-Kamera schien mir die Canon EOS 1000D recht geeignet. Gerade frisch erschienen stand sie für die absolute Einstiegskamera in die Welt der DSLRs. Sie lag preislich mit knapp 400€ ein gutes Stück über den angepeilten 300€. Allerdings zeigte das technische Innere, dass die Differenz von 100€ im Vergleich zum Qualitätszugewinn definitiv gerechtfertigt waren.

Zur Debatte standen nun also eine Einstiegs-Spiegelreflexkamera oder die Kompaktkamera von Fuji. Im Endeffekt wisst ihr, wie die Entscheidung ausgefallen ist. Ich entschied mich natürlich für die Canon EOS 1000D. Allein der CMOS-Sensor für eine ausgezeichnete Bildqualität und die Möglichkeit verschiedene Objektive anbringen zu können, liesen mein Herz höher schlagen. Ihr fragt euch warum es wichtig ist verschiedene Objektive anbringen zu können? Die kurze Antwort ist: Wer weiß, wie sich das Interesse für Fotografie entwickelt? Auch dieser Gedanke trug zu meiner Entscheidungsfindung bei. Mit einer Kompaktkamera wäre dies nicht möglich gewesen.

Somit lässt sich folgendes Zwischenfazit zur Preisfrage ziehen: Wer direkt über den Preis einsteigt, verbaut sich unter Umständen einige wertvolle Alternativen, die etwas höher angesiedelt sind oder gibt unter Umständen Geld an der falschen Stelle aus.

Wie findet ihr die passende Kamera?

Am absoluten Anfang kann man sich folgende Frage stellen:

  • Was möchte ich fotografieren?

Diese wird man wie folgt beantworten: erstmal ALLES!

In der Regel hat man am Anfang nur eine wage Vorstellung von dem, was alles möglich ist. Wenn man nun denkt, dass man zum Beispiel nur Tiere ablichten möchte, der wird schnell merken, dass Landschaften eventuell auch ganz interessant sein können. Wer also noch nicht konkret weiß, wie und wohin ihn der Weg der Fotografie führt und ob er ihn überhaupt weit beschreiten wird, sollte sich an die Einstiegskameras der beiden großen Kamerahersteller Canon und Nikon halten. Man kann auch zu Pentax, Sony oder Olympus greifen. Allerdings ist man dort hinsichtlich Erweiterbarkeit und Objektivauswahl relativ beschränkt, weshalb ich davon abrate. Die Modelle von Canon und Nikon entscheiden sich im wesentlichen nur von der Haptik der Gehäuse und der kamerainternen Menüstruktur. Idealerweise probiert ihr die verschiedenen Einsteigermodelle einfach in einem Geschäft vor Ort aus und entscheidet danach.

Gerne werden sogenannte Kamera-Sets mit einem oder zwei Kit-Objektiven angeboten. Meine Empfehlung: Nur zugreifen, wenn es nicht anders geht! Den Grund zu verstehen ist etwas komplexer. Darauf werde ich in der nächsten Episode eingehen, wenn wir uns mit dem Thema Tiefenschärfe beschäftigen. Um euch aber nicht im Dunkeln stehen zu lassen, versuche ich mich an einer kurzen und einfachen Erklärung.

Die meisten Einsteiger möchten, dass ihre Fotos so aussehen: (sorry Maik)

Maik Blende 1.4

Stattdessen bekommen sie dann im besten Fall so etwas:

Maik Blende 9.0

Der Unterschied liegt bei diesen beiden Fotos in der verwendeten Blendenzahl. Alle anderen Faktoren lassen wir an der Stelle außen vor. Das obere Bild wurde mit Blende 1.4 fotografiert und das untere mit Blende 9.0.

Kurzes Résumé: Je kleiner die Blendenzahl, desto besser für einen verschwommenen Hintergrund – das sogenannte Bokeh. In den weiteren Artikeln erkläre ich euch diesen Aspekt ausführlich.

Mein Tipp für für das erste Objektiv

Für einfach Erhaltung eines cremigen Bokehs, rate ich euch zu folgendem Objektiv: 50mm 1.8. Dieses Objektiv gibt es sowohl von Canon, Nikon, sowie anderen Drittherstellern und kostet gute 100€. Damit gelingen solche Fotos auf Anhieb, ohne das man noch die ganzen anderen Faktoren lernen muss, die ebenfalls einen Einfluss auf das Bokeh haben. Für das erste Erfolgserlebnis ist es ein entscheidender Vorteil.

Einen kleinen Nachteil hat dieses Objektiv: Ihr könnt damit im klassischen Sinne nicht zoomen. Es handelt sich bei dem 50mm 1.8 um eine sogenannte Festbrennweite. Diese Objektivklasse verfügt über lediglich eine Brennweite – in unserem Fall: 50mm. Um dies zu kompensieren habt ihr eure Füße. Sollte sich ein Objekt weiter weg befinden, so geht einfach näher ran. Seid ihr zu nah dran, so geht ein Stück zurück. Es klingt absurd, aber damit lernt man auf Anhieb den richtigen Weg zu schönen Fotos zu beschreiten.

Je nach Einstiegslevel beginnt das Kameragehäuse bei knapp unter 300€ plus das 50mm 1.8 für 100€ sind in Summe ca. 400€ für den erfolgreichen Einstieg.

Fazit:

  • auf  Kamera-Kits verzichten
  • lieber eine Einsteiger-DSLR als eine teure Kompakte
  • Kameragehäuse und Objektiv separat kaufen
  • Mein Canon-Tipp: Canon EOS 1100D + Canon EF 50mm 1.8
  • Mein Nikon-Tipp: Nikon D3100 + AF-S Nikkor 50mm 1.8

Falls noch Fragen offen sind, so gebt mir gerne ein Feedback in den Kommentaren oder schickt mir eine Nachricht.

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Euer Fototeufel

 
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