Episode 2: Meine erste Kamera – und jetzt?

vollautomatischer Modus

Erste Schritte mit der eigenen Kamera

Viele Tipps, die im Internet kursieren, drehen sich um die Aussage „Einfach probieren üben probieren üben probieren“. Wenn es nur so wäre, dann könnte man nach einer gewissen Zeit X grandiose Fotos abliefern. Jeder, der auch nur schon ein bisschen fotografiert hat, wird mir beipflichten, dass es leider (?) nicht so trivial ist.

In Episode 1 habe ich euch gezeigt, zu welcher Kamera ich gegriffen hätte, wenn es mir jemand vorher erklärt hätte. Nun habt ihr auf Grund dessen vielleicht eine solche Kombination gekauft oder besitzt eure erste Kamera bereits und wollt nun wissen wie es weiter geht.

In Episode 2 geht es um die ersten spontanen Fragen, die sofort nach Auspacken der Kamera auftauchen:

  1. Wie halte ich die Kamera richtig?
  2. Welcher Modus macht die besten Bilder?
  3. Was bedeuten die Zahlen auf dem Objektiv?

1. Wie halte ich die Kamera richtig?

In Dresden zu wohnen bedeutet auch in einer sehr touristenbelebten Stadt zu wohnen. Bei einem Bummel durch die Innenstadt sehe ich sehr viele Touristen, die ihre Kamera so halten:
Der Fototeufel zeigt wie man es nicht machen sollte
Diese Haltung ist vollkommen falsch. Der Nachteil liegt hier in der Armstellung. Je weiter sich die Arme vom Körper entfernen, desto unstabiler und wackliger wird die Haltung. Für Fotos bei strahlender Sonne ist die nicht dramatisch, da die Verschlusszeiten auf Grund des vielen Lichts sehr kurz sind und Verwacklungen damit eliminiert werden. Sobald aber wenig Licht vorhanden ist und man nicht blitzen möchte, wird es problematisch. Die Verschlusszeiten werden länger, womit ein sicherer Stand und die richtige Kamerahaltung enorm wichtig werden.
So macht man es richtig:
Kamera richtig halten | Der Fototeufel
Die Ellbogen werden in den Oberkörper in Richtung Zwerchfell gestützt und so nah wie möglich am Körper gehalten. Damit bilden Kamera und Körper eine Einheit, welche in sich sehr stabil ist. Der Oberkörper ist des Weiteren leicht nach hinten geneigt, womit sich der Kameraschwerpunkt mittig zur Körperachse verschiebt und man weniger frontlastig ist.

2. Welcher Modus macht die besten Bilder?

Für diese Frage gibt es natürlich kein Allheilmittel in Form eines „Super-Bilder-Modus„. Vermutlich würden dann auch alle Fotos gleich aussehen und wer will das schon. Die ersten Gehversuche unternimmt man in der Regel mit dem Vollautomatik-Modus.
Vollautomatik Modus
Dieser wird auf nahezu alle Kameras mit einem grünen Rechteck dargestellt. Er übernimmt in kompletter Eigenregie alle Einstellungen der Kamera:
  • Belichtungszeit
  • Blendenstufe/-zahl
  • Wahl des Autofokusfeldes
  • Qualitätsstufe der Bilder
  • usw.
Dieser Modus scheint verlockend da er wirklich alles regelt, allerdings denkt die Kamera durch die Bank weg, dass es „zu dunkel“ ist. Damit klappt der interne Blitz der Kamera stets raus und blitzt frontal auf das zu fotografierende Objekt. In aller erster Linie sehen solche Bilder wie Handyfotos aus. Was an der Stelle stilistisch passiert, zeige ich euch in einer späteren Episode.
Zusammengefasst macht die Kamera alles für einen. Für den absoluten Anfänger kann dieser Modus sinnvoll sein. Es gibt ihn in vollautomatisch mit und ohne Blitz. An dieser Stelle geht meine Empfehlung ganz klar für die Vollautomatik ohne Blitz.
Von diesem Modus aus werden wir uns nun sukzessive vorwärts arbeiten.
Die weiteren verfügbaren Modi richten sich nach dem jeweiligen Hersteller der Kamera. Es gibt mindestens folgende Möglichkeiten:
  • Vollautomatische Modi– Kamera übernimmt alle Einstellungen
    • mit Blitz
    • ohne Blitz
    • Sport
    • Landschaft
    • Personen
    • etc.
  • halbautomatische Modi– man stellt nur einen Faktor ein und die Kamera kümmert sich um den Rest
    • Auswahl der Blendenstufe/-zahl
    • Auswahl der Belichtungszeit
  • manueller Modus – Fotograf übernimmt alle Einstellungen
  • andere Modi je nach Kameramodell und Hersteller
    • Video
    • Custom-Programme
    • und viele mehr
Sobald ihr mit den vollautomatischen Modi gut zurecht kommt, kümmern wir uns um die halbautomatischen.

3. Was bedeuten die Zahlen auf dem Objektiv?

Je nach verwendetem Objektiv stehen verschiedene Zahlenkombinationen auf dem Objektiv.

feste Blendenzahl 4.0

In diesem Fall handelt es sich um ein Weitwinkelobjektiv: Canon EF 17-40mm f/4L USM

Folgender Maßen setzen sich die Zahlen in der Regel zusammen:

  1. Brennweite: 17mm bis 40mm
  2. Blendenzahl: 4.0

Die erste Kombination trennt zum einen Objektive mit fester Brennweite von Zoom-Objektiven und lässt auch Rückschlüsse auf die Art der Linse zu (zum Beispiel: Weitwinkel oder Tele-Objektiv, etc.). Steht nur eine Zahl da, so handelt es sich um eine Festbrennweite (z.B. 50mm). Die zweite Kombination wird meist von einer 1 angeführt. Es handelt sich dabei um ein Verhältnis: 1 zu 4. Es werden hier Brennweite ins Verhältnis zur Blendenöffnung gesetzt. Also um wie viel kleiner ist die Öffnung für eintreffendes Licht am Objektiv im Verhältnis zur Brennweite. Handelt es sich um Verhältnis von 1:1, so entspricht die Blendenöffnung der Brennweite. Üblicherweise bewegen sich Blendenzahlen zwischen 1.2 und 5.6.

  • Je niedriger der Wert ist, desto mehr Licht kann das Objektiv aufnehmen und ist somit auch bei lichtschwachen Situationen ohne Blitz einsetzbar.
  • Je höher der Wert ist, umso weniger Licht erreicht den Sensor der Kamera. Damit muss man sehr schnell zum Blitz greifen, was viele Lichtsituationen wie Sonnenuntergänge etc. meist kaputt macht.

Eine weitere Möglichkeit stellt zum Beispiel folgende Kombination dar: 18-200 3.5-5.6. Dies bedeutet, dass die größte Blendenöffnung 3.5 bei Brennweite 18mm liegt. Die kleinste Blende liegt bei 5.6 mit 200mm. Von Brennweite 18 bis 200 wird die größtmögliche Blendenöffnung sukzessive von 3.5 zu 5.6 kleiner.

Episode 2 haben wir damit abgeschlossen. In der nächsten Episode beschäftigen wir uns mit ISO-Werten.

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Euer Fototeufel

 
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Kommentare

Hallo Fototeufel,

also der Beitrag gefällt mir richtig gut. Bin zwar schon seit ein paar Jahren mit meiner DSLR unterwegs und fotografiere ausschließlich im manuellen Modus, trotzdem ist es klasse, die Basics mal aufgefrischt zu bekommen.

Ich freue mich auf deinen nächsten Artikel.
Jens

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