Nachtrag: Splash! Festival 2011

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Seit jeher bin ich ein Freund der musikalischen Wortakrobatik. In Form des Splash! Festivals treffen sich jedes Jahr zehntausende Gleichgesinnte in Ferropolis der Stadt aus Eisen in der Nähe von Leipzig (ca. 60km nördlich). Um so erfreulicher war es für mich, dass ich 2011 als Pressefotograf zu diesem grandiosen Event fahren durfte.

Da meine Seite erst Ende 2012 online ging, kommt mein Bericht zum Splash! Festival natürlich erst jetzt.

Als klassischer Stadtmensch kann ich gut auf ein eigenes Auto verzichten. Leider kann es ab und zu recht praktisch sein. Die Reise zu einem Festival gehört unter anderem dazu. In diesem Artikel schilder ich euch, worauf es auf einem Festival als Konzertfotograf ankommt und worauf nicht.

Die Reise beginnt

Zusammen mit einem Freund und gefühlten 40kg Gepäck, welches mehr an einen Bundeswehrausflug, als ein Festival erinnerte, ging es alsbald los. Zu meinem Foto-Equipment gehört alles was ich zu der Zeit besaß:

Abfahrt Dresden Hbf über Leipzig Hbf nach Gräfenhainichen. Relativ gut organisiert pendelt ab dem Bahnhof ein Shuttle-Bus zum Festivalgelände. Man sollte sich insofern auf längere Wartezeiten einstellen. Das man sich ebenfalls mit genügend Getränken versorgen sollte, muss ich sicherlich nicht erklären.

Gepäck ohne Ende

Sofern man nicht an die Busse der Dresdner Verkehrsbetrieb zu Studentenzeiten gewöhnt ist, mag die Transportmöglichkeit zum Festivalgelände eher an eine Sardinendose erinnern. Etwas Positives hat dies natürlich – umfallen wird keiner und neue Kontakte sind ebenfalls schnell geknüpft.

In unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände kann man auf unterschiedlichste Weise Übernachten: Zelt, Auto, Wohnmobil. Wer die Möglichkeit hat, der greift idealerweise zum Wohnmobil. Im Zelt lässt es sich ebenfalls recht entspannt übernachten, allerdings sollte man ein paar Ohropax einstecken. Die Nächte sind lang und die Schlafzeit kurz. Die letzten greifen zum Schlafsack wenn die Sonne aufgeht und die ersten stehen dann auch schon wieder auf. Erfahrungsgemäß sind Zeltwände nicht gerade schalldämmend also muss man dies anderweitig bewerkstelligen.

Auf Grund mangelnder Wohnmobilbesitzer griffen wir demnach zum Zelt und gesellten uns zu Freunden, die bereits einen Tag eher anreisten und ihr Lager schon aufgeschlagen hatten. Die Kombination aus allerlei Equipment, Zelt, Rucksack und der Anreise via Zug sowie Temperaturen um die 30°C resultiert in einer ordentlichen Tortur für Körper und Geist.

Endlich angekommen

Erleichtert am Zeltplatz angekommen stellte ich fest, dass mir noch ein entscheidender Teil meiner Ausrüstung fehlte: Mein Presseausweis

Diesen erhält man ungünstiger Weise direkt an der Einmündung zu Ferropolis von der B107 kommend. Also kurz alle Sachen nieder gelegt, Freund zum Aufpassen verpflichtet und schnellen Schrittes meinen Photopass geholt.

Ferropolis die Stadt aus Eisen

Die ersten Schritt auf dem Zeltplatz machen eines klar: Erkennungsmerkmale sind unheimlich wichtig. Alle Zelte und Pavillons sind mit unzähligen Flaggen, Fahnen und Schildern geschmückt. Unser Ziel war auf Grund dieser Tatsache auch schnell gesichtet.

Kurzes Résumé der ersten Etappe: Nächstes Mal mit Auto

Allerdings sollte man nicht dem Trugschluss erliegen, dass damit alles einfacher wird. Da man im Endeffekt den gesamten Tag von der ersten Minute der Öffnung des Festivalgeländes bis zum Finale des Mainacts spät am Abend unterwegs ist, empfiehlt es sich einmal mehr überflüssiges Equipment zuhause zu lassen. Eure Schultern und euer Rücken werden es euch danken.

Dabei drängt sich natürlich die Frage auf: Was braucht man denn nun wirklich?

3 Songs No Flash

Nachdem ich den Fotografen-Eingang zur Hauptbühne gefunden hatte und der Security meinen Photopass zeigte, wurde ich sogleich darauf aufmerksam gemacht, dass ich meinen Blitz sofort abmachen muss. Da ich das erste Mal auf einem solchen Mega-Event zu Gast war, war ich mir dieser Tatsache natürlich nicht bewusst.

Die internationale Regel für Konzertfotografie lautet: 3 Songs No Flash!

Wie der Titel unschwer erkennen lässt hat man exakt die ersten drei Lieder Zeit Fotos ohne Blitz zu machen. Drei Songs sind meines Erachtens nach eine wirklich ausreichende Zeit, obwohl je nach Programm auch das ein oder andere interessante durch die Musiker geplant ist. Zum Beispiel feuerte K.I.Z. selbstgedrucktes Geld mittels eigens konstruierter Kanonen ins Publikum. Ein noch spektakuläreres Foto wäre mit Sicherheit direkt im Fotografengraben entstanden.

KIZ feuert Geld durch Kanone ab

 

Bei kleineren Events ohne separaten Fotografengraben kommt es auf den Veranstalter an, ob und wie lange fotografiert werden darf. Das Düsterfest 2 zählt zu den kleineren Konzerten, die sich noch im Wachstum befinden. Dort gab es den Luxus eines Fotografengrabens natürlich nicht. Jeder gut vorbereitete Konzertfotograf informiert sich vor den Events noch einmal, was exakt gestattet ist und was nicht.

Aus dem Graben können nicht nur Fotos der Künstler gemacht werden, sondern natürlich auch vom Publikum:

Splash Festival Publikum

Dieses Bild war mehr oder weniger ein Zufallstreffer, da die Security nach drei Liedern sofort alle Fotografen einsammelte und ich im Hinausgehen noch ein Foto schoss.

ISO 100 bis 6400

Jede Band greift auf unterschiedlichste Lichtsetups und Bühnendeko zurück. Die Lichtsituation auf der Bühne kann am Abend von stockduster bis taghell innerhalb von Sekundenbruchteilen wechseln. Glücklich ist der, der eine Kamera mit Auto-ISO besitzt. Mittlerweile verbauter Standard – bei meiner Canon EOS 5D Mark 1 muss ich dies noch manuell einstellen. Um die bestmögliche Kontrolle über die Situation zu behalten fotografiere ich in den nächtlichen Stunden im TV-Modus bei ca. 1/100 Sek. bis 1/250 Sek. Somit kann die Kamera frei über die verwendete Blende entscheiden und ich über die Szene. Dank Vollformat gehe ich gnadenlos an die Grenzen mit ISO 3200. Mehr geht an der Canon EOS 5D Mark 1 nicht. Die Canon EOS 1D Mark 3 landet auch bis 6400 gute Werte. Die Dank des herausragenden Rauschverhaltens beider Kameras und der Rauschreduzierung in Adobe Lightroom ist diese Vorgehensweise kein Problem.

Marteria auf dem Splash Festival 2011

Das Splash! Festival ist, wohl auch auf Grund des eigenen Namens, dazu verdammt, dass es mindestens einmal aus vollen Kannen regnet. Ein Objektivwechsel während eines solchen Regengusses vor der Hauptbühne sollte man sich guten Gewissens verkneifen – warum ist sicherlich klar.

Niederschlag auf dem Splash Festival 2011

 

Wie auf allen möglichen Events geht es meistens um Schnelligkeit, da die Situationen sekündlich wechseln. Dahingehend kann ich nur jedem Konzertfotografen raten, sich eine zweite Kamera zu organisieren – sei es gekauft oder geliehen. An der einen eine mittlere Festbrennweite wie dem Canon EF 50mm f/1.4 USM und an der anderen ein Teleobjektiv wie dem Canon EF 70-200mm f/2.8L USMSomit ist man für nahezu jede Situation gewappnet und vergeudet keine Zeit durch unnötigen Objektivwechsel.

Fazit

Nach 3 ereignisreichen Tagen bleiben mir für euch folgende Tipps für euch auf meiner Liste stehen:

  • Ohropax für einen „erholsamen“ Schlaf – zum Glück war mir das bereits vorher bewusst
  • Equipment reduzieren – eine zweite Kamera kann allerdings nicht schaden
  • Blitze können bedenkenlos zuhause gelassen werden, da sie während der Konzerte nicht gestattet sind
  • Anreise mit eigenem Auto ist empfehlenswert – idealerweise mit Wohnmobil
  • ausreichend Speicherkarten – meine 84GB waren am Ende voll, obwohl ich zwischendurch einige Fotos gelöscht habe

In diesem Sinne bedanke ich mich für eure Aufmerksamkeit und wer weiß, vielleicht gibt es den nächsten Artikel zum Splash! 2013 nicht erst zwei Jahre später.

Euer Fototeufel

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